Fuerteventura mit einer Fläche von 1731 Quadratkilometer ist die zweitgrößte kanarische Insel. Sie liegt ca.100 km von der afrikanischen Küste entfernt. Fuerteventura soll vor 16-20 Millionen Jahren entstanden sein. Die geologische Struktur ähnelt der des afrikanischen Kontinents. Der Entstehungsvorgang ist aber bis heute nicht eindeutig geklärt. So können die Wissenschaftler nicht sicher sagen, ob Fuerteventura ozeanisch oder kontinentalen Ursprung hat. Vom Nordosten in den Südwesten misst Fuerteventura 110 km. Die breiteste Stelle beträgt 30 km und die schmalste 5 km. Diese Landenge am Istmo de la Pared trennt das südliche Jandia vom nördlichen Teil, der Maxorata genannt wird. Auf Jandia findet sich mit 807 m die höchste Erhebung, der Pico de la Zarza. Sowohl an der Ost- als auch an der Westküste Fuerteventuras liegen kilometerlange Sandstrände. Sie sind die schönsten des Kanarischen Archipels. "Que fuerte aventura" soll Jean de Betencourt auf einer Entdeckungsfahrt ausgerufen haben, und das heißt : Welch starkes Abenteuer! Die Insel, so wird unterstellt, habe daher ihren Namen. Wörtlich übersetzt aber heißt fuerte ventura starkes Glück.
Das Klima auf Fuerteventura ist durchaus erträglich. Der kühle Kanarenstrom und der stetig wehende Nordostpassat sorgen für regelmäßige Temperaturen. Die Durchschnittstemperaturen der Luft liegen im Jahr zwischen 16 - 22 Grad Celsius und die des Wassers zwischen 18 und 23 Grad Celsius. Die Luftfeuchtigkeit liegt konstant bei etwa 60%. Gelegentlich, hauptsächlich in den Sommermonaten, wenn der Schirokko von Afrika herüberbläst und die Luft mit feinem Sand beladen ist, kann das Thermometer bis auf 45 Grad klettern. Es regnet nicht oft, vielleicht 5-8 mal im Jahr. Zudem nimmt der verkarstete Boden kaum den Regen an, weil er meistens schnell verdunstet. Kein Wunder, dass die Insel Fuerteventura wenig Landwirtschaft der Kanarischen Archipels aufweist und über eine kaum erwähnenswerte Vegetation verfügt. Um so eindrucksvoller sind die Farben des Meeres, des Strandes und der Berge, die sich je nach Tageszeit immer wieder verändern.
Für den Eigenbedarf angebaut werden kleine Mengen Gerste, Mais, Weizen und eine Luzernenart als Zusatzfutter für die Ziegen und Schafe. Eine Delikatesse ist die Fuerteventura Tomate, die von November bis Mai geerntet und in die europäischen Länder exportiert wird. Bewässert werden die Felder in der Regel aus den natürlichen Tiefbrunnen.
Um die Bevölkerung und die Touristen ausreichend mit Wasser versorgen zu können, sind Meerwasser-Entsalzungsanlagen gebaut worden. Meist wird das entsalzte Wasser mit Tankwagen an den Bestimmungsort gebracht. Ein weiterer Exportartikel ist der Ziegenkäse, der eine hohe Qualität aufweist. Etwa 30.000 Ziegen (und Schafe) sorgen für Milch, Käse und Fleisch. Das cabrito (Zicklein) ist eine Spezialität. Zur Ziegen- und Schafshaltung kommt der Fischfang als Lebensmittellieferant, dessen Erträge heute vom Tourismus verbraucht werden. Nahezu alle Bedarfsgüter werden von anderen kanarischen Inseln, Spanien und Heimatländern der Urlaubsgäste importiert.
Heute leben ca. 40.000 Menschen auf Fuerteventura. Die Bevölkerung stieg auf 23 Einwohner pro Quadratkilometer an, was auf einen relativen Wohlstand hinweist. Vor der Zeit des aufkommenden Tourismus, der Zeit des Hungerns, wuchs die Bevölkerung so gut wie gar nicht, weil die jungen Leute auswanderten auf die anderen kanarischen Inseln oder nach Lateinamerika. Das entbehrungsreiche Leben prägte die majoreros, wie sich die Einheimischen nennen. Es machte sie wortkarg und ein wenig misstrauisch. Das Misstrauen aber schlägt schnell um in eine offene Freundlichkeit, wenn man an ihrem Leben teilnimmt und ein wenig ihre Sprache spricht.
Die majoreros verstehen zu feiern. Nahezu jedes Dorf begeht neben den offiziellen Feiertagen ein eigenes Dorffest. Über das ganze Jahr verteilt findet eine Fiesta nach der anderen statt. Sie sind von folkloristisch-religiösem Charakter, dauern bis zu zwei Wochen und haben einen Haupttag, an dem eine Heilige oder ein Heiliger geehrt wird.
Der Tourismus, dessen Saison das ganze Jahr über dauert, konzentriert sich heute hauptsächlich auf Jandia und das Dünengebiet bei Corralejo. Fast alle Hotel- und Ferienanlagen liegen an der Ostküste. Mehr als 45.000 Betten stehen schon zur Verfügung, täglich kommen neue hinzu. Planungstheoretisch soll die Bettenzahl auf 200.000 erhöht werden, wofür die derzeitige Infrastruktur mit Sicherheit nicht ausreicht. Hochhäuser sind zwar nicht genehmigt, doch am Jandia Playa, bei Punta del Matorral, werden die Hotelbauten derart in den Hang gebaut, dass die Wirkung dieselbe bleibt. Rechtzeitig vor dem Touristenboom wurden große Gebiete 1986 unter Naturschutz gestellt, wo jegliche Bautätigkeit untersagt ist.
Fuerteventuras Küstenlänge beträgt 327 km. Auf dieser Strecke liegen 144 hell- und dunkelsandige Strände. Von den 144 Stränden werden laut einer Studie des spanischen Ministeriums als unbestimmt oder von Fischern benutzte bezeichnet. Sie sind meist recht steinig und zum Baden wenig geeignet. Die größten Badefreuden erlebt man am Jandia Playa, an der Playa del Castillo und der Playa de Corralejo. Allesamt liegen sie an der Ostküste. Sie bestehen aus goldgelben bis weißem Sand. Gewarnt sei besonders vor der Westküste! So verführerisch und schön die Strände dort sein mögen, so gefährlich sind sie auch. Die starke Brandung und unberechenbare Unterströmungen wurden schon manchen Urlaubern zum Verhängnis. Ausnahmen an der Westküste bilden die Playa del Aljibe de la Cueva bei El Cotillo und die weiteren Sandbuchten in Richtung Norden zum Leuchtturm hin.
Wer glaubt, auf Fuerteventura könne man nicht wandern, der irrt. Alleine die ausgedehnten Sandstrände laden zu langen Strandwanderungen ein. Von der Costa Calma bis zum Morro del Jable kann man über 20 km am Meer entlang zurücklegen. Vom Morro del Jable kann man den Barranco del Cievo hochwandern , und weiter westlich vom Morro del Jable führt ein alter Paßweg durch das Gran Valle an die Westküste nach Cofete (hin und zurück ca.15 km). Von Betancuria aus führt ein trockenes Flussbett hinunter bis Vega de Rio de Palmas und weiter bis zum Stausee Embalse de las Penitas und zur Wallfahrtskapelle Nirgen de la Pena. An den Felsen entlang in nördlicher Richtung erreicht man dann von El Cotillo aus die drei Leuchttürme und bei Caleta de Fuste (El Castillo) beginnt der Wanderweg Sendero de la Guirra, der bei den Salinas de El Carmen endet (hin und zurück ca. 7 km). Von Corralejo aus können Sie wieder stundenlang am Strand entlang spazieren gehen. Für alle Wanderungen sind festes Schuhwerk, Sonnenschutz, Kopfbedeckung und reichlich Trinkwasser unerlässlich und wenn Sie Glück haben dann erleben sie, wie ich, diesen traumhaft schönen Sonnenuntergang und die Natur pur.





